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Stadtentwicklung Unternehmensgruppe

Ernst-May Preis Ausstellung in Wiesbaden eröffnet

NHW-Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer hat die Ausstellung im Stadtplanungsamt Wiesbaden eröffnet. Foto: NHW
NHW-Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer hat die Ausstellung im Stadtplanungsamt Wiesbaden eröffnet. Foto: NHW NHW-Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer hat die Ausstellung im Stadtplanungsamt Wiesbaden eröffnet. Foto: NHW

Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW) setzt gemeinsam mit der TU Darmstadt, Fachgebiet für Entwerfen und Wohnungsbau, eine 30 Jahre alte Tradition fort. Nach der coronabedingten Pause vergab die NHW zum 16. Mal den Ernst-May-Preis (EMP). Der EMP wird seit 1988 im Zwei-Jahres-Turnus für Studierende der TU Darmstadt ausgelobt, das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro stiftet die NHW. Dieses Jahr stand der Preis unter dem Titel WohnJoker für die Großwohnsiedlung Klarenthal in Wiesbaden. Die Gewinner-Arbeiten sind nun im Stadtplanungsamt Wiesbaden ausgestellt. In Anwesenheit von Professorin Audrey Shimomura, Leiterin Fachgebiet Entwerfen und Wohnungsbau an der TU Darmstadt, NHW-Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer und Camillo Huber-Braun, Leiter des Stadtplanungsamtes Wiesbaden wurde die Ernst-May Preis Ausstellung im Stadtplanungsamt Wiesbaden eröffnet.

Den ersten Platz belegte Lea Jung, die Jury begeisterte ihre Arbeit in Haltung und Methode: „Mit großer Leichtigkeit und Virtuosität bedient sie sich bei Ernst May, kopiert eines seiner Häuser und löst dessen Struktur sukzessive auf, bis nur noch eine Schar winkelförmiger Stützen subtil und sperrig zugleich den Geschossplan prägt. Mittels ergänzender Leichtbauwände erzeugt sie geschossweise eine Variation aus konventionellen Wohnungen, kleinen Studios und kollektiven „Jokern“ mit großer Offenheit hinsichtlich ihrer Programmierung. Das charakteristische Winkel-Skelett verleiht dem Haus räumlichen Halt und eröffnet zugleich unzählige Möglichkeiten der Aneignung. Die neue Hülle besitzt einen eigenständigen Ausdruck, ohne dabei die Bindung zur bestehenden Siedlung zu verlieren“, so das Urteil der Jury.

Platz zwei belegte Fabian Helbig, das Urteil der Jury: „Fabian Helbigs Arbeit ist elaboriert durch alle Maßstäbe hindurch sorgfältig gestaltet sowie von herausstehender darstellerischer Qualität. Wir gratulieren zu einem beeindruckenden Projekt.“

Dritte wurde Fitore Delija, deren Arbeit die Jury so bewertete: „Mit großer Selbstverständlichkeit integriert Fitore Delija ein geknicktes Volumen in die städtebauliche Anlage von Ernst May, das in seinen Proportionen jedoch einen neuen Maßstab einführt. Mit der Gebäudetiefe eröffnen sich im Inneren des Baukörpers neuartige Angebote zur programmatischen Anreicherung von Klarenthal: Großzügige, produktive Hallen` ziehen sich ausgehend vom Erdgeschoss durch das Haus und ermöglichen die Integration der Arbeit ins Wohnumfeld ebenso wie Freiräume für gemeinschaftliche Projekte sowie Möglichkeiten für Service-Angebote – zum Beispiel temporäres oder betreutes Wohnen und Kinderbetreuung.“

Anerkennungen erhielten Anna Burak und Ines Wiedemann.

Der WohnJoker soll als neues Gebäude frische Impulse für die Bestände in der Großwohnsiedlung Klarenthal der NHW liefern. Im Idealfall verbindet er unterschiedliche Arten der Nutzung in einer flexiblen, hierarchielosen Struktur, vereint also z.B. flexibles, multifunktionales Wohnen mit nachbarschaftlichen sowie öffentlichen Angeboten unter einem Dach. Auf diese Weise soll eine innovative Struktur entstehen, die neue Modelle des Zusammenlebens zulässt und vieles von dem bietet, was über die Erfüllung der primären Wohnbedürfnisse hinausgeht. Der WohnJoker schafft Atmosphäre und Wohnraum für alle – „soziale Energie“ wird sichtbar und potenziert. In Kooperation zwischen dem Fachgebiet Entwerfen und Wohnungsbau der TU Darmstadt, Professorin Audrey Shimomura und der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte I Wohnstadt wurden die Studierenden innerhalb dieser „Versuchsaufstellung" aufgefordert, sich mit der Typologie der Großwohnsiedlung in Wechselwirkung mit den aktuellen Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen und in ihrem Entwurf für einen WohnJoker zu reflektieren.

 

Hintergrund: Ernst-May-Preis

Die Unterstützung junger Menschen in ihrer Ausbildung ist eine der Säulen des gesellschaftlichen Engagements der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt. Der Ernst-May-Preis wird alle zwei Jahre für Studierende der Technischen Universität Darmstadt ausgelobt und soll im Geiste des sozial orientierten Wohnungs-Siedlungs- und Städtebaus die fachliche und politische Auseinandersetzung der Studierenden mit neuen Aufgabenstellungen fördern. Im Fokus steht dabei, eine sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung für breite Schichten der Bevölkerung zu gewährleisten und Wohnungssuchende zu berücksichtigen, die aufgrund ihrer persönlichen Verhältnisse oder Umstände Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche haben. Der Schwerpunkt liegt auf dem Rhein-Main Gebiet. Ausgezeichnet werden experimentelle, visionäre Wohnungsbau- und Hybridkonzepte sowie die damit verbundenen Freiräume. Der gebürtige Frankfurter Ernst May (1886-1970) gilt als Architekt mit weitreichenden Kompetenzen in verschiedenen Bereichen. May suchte nach Wohn- und Siedlungskonzepten, die nicht nur erschwinglichen Wohnraum schaffen, sondern auch die sozialen und hygienischen Probleme des herkömmlichen Wohnungsbaus vermeiden sollten. May und seine Mitarbeiter setzten dabei auf eine industrialisierte Bauweise mit vorgefertigten Bauteilen, funktional optimierten Grundrissen und einem hohen Freiraumbezug mit einer aufgelockerten Zeilenbauweise sowie Dachterrassen. Architektonisch verknüpfte er dabei die Ansätze der Gartenstadtbewegung mit den Zielen des Neuen Bauens.

 

Die Arbeiten sind bis zum 17.Oktober 2023  im Stadtplanungsamt Wiesbaden, Gustav-Stresemann-Ring 15, 65189 Wiesbaden ausgestellt.