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Stadtentwicklung

Die Rolle von Stadtentwicklung in gesellschaftspolitisch herausfordernden Zeiten

Blick auf die Synagoge Schlüchtern von außen
Die Synagoge von Schlüchtern: Schon im kommenden Jahr kann unter Begleitung der ProjektStadt, Integrierte Stadtentwicklung, mit den Restaurations- und Umbaumaßnahmen begonnen werden. Foto: NHW

Weitere Städtebaufördermittel aus dem Städtebauförderprogramm „Lebendige Zentren“ für den Umbau der Synagoge Schlüchtern gesichert

Schlüchtern – In Schlüchtern steht mit der Synagoge ein herausragendes städtebauliches Projekt kurz vor seiner Umsetzung. Mit der Zusicherung von bereits mehr als fünf Millionen Euro von Bund, Land und der Alfred-Landecker-Stiftung ist die Grundlage der Finanzierung für die Umbaumaßnahme zu einem geschichtsträchtigen Ort der Begegnung nun gesichert. Schon im kommenden Jahr kann unter Begleitung der ProjektStadt, Integrierte Stadtentwicklung, Frankfurt am Main, in der Projektsteuerung mit den Restaurations- und Umbaumaßnahmen begonnen werden.

Mut, Gestaltungswillen und Weitsicht

Die Realisierung dieses Vorhabens ist keineswegs selbstverständlich gewesen. Vielmehr ging dem Projekt viel Mut, Gestaltungswille und Weitsicht von Seiten der Stadt und der Zivilgesellschaft voraus. Die Synagoge wurde zunächst zusammen mit dem angrenzenden Rabbinerhaus im Jahr 2021 von der Stadt mit Mitteln aus den „Lebendigen Zentren“ erworben. Zuvor hatte sie sich im Privatbesitz befunden. Eine konkrete Nutzungsidee gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, fest stand aber das außergewöhnliche Potenzial des Gebäudes, das es aus städtebaulicher und gesellschaftspolitischer Sicht zu bewahren und zu nutzen galt.

„Wir haben in unserer beratenden Funktion in Schlüchtern bereits sehr früh den kulturhistorischen Wert des Gebäudes erkannt, insbesondere im Hinblick auf eine ganzheitliche, integrierte Stadtentwicklung. Das wird in diesen Tagen umso deutlicher. Wir brauchen solche Projekte als Zeugnisse der Geschichte, vor allem aber auch als Symbol für Begegnung, friedliches Miteinander und interreligiösen Dialog in unserer Gesellschaft“, sagt Marion Schmitz-Stadtfeld, Leiterin der Integrierten Stadtentwicklung | ProjektStadt.

Mit Förderung zum Ziel

Schnell wurde dieses Potenzial auch innerhalb der Stadtgesellschaft diskutiert. Noch im selben Jahr gründete sich der Verein Freunde der Synagoge Schlüchtern e.V., der sich seither mit viel Engagement für einen Umbau und die Wiederbelebung einsetzt. Dank der Förderung des Landes Hessen mittels des Städtebauförderprogramms „Lebendige Zentren“ und der Alfred-Landecker-Stiftung ist nun finanzielle Unterstützung vorhanden für die Entwicklung eines Umbau- und Nutzungskonzeptes. Noch im Jahr 2022 wurde die Synagoge per Erbbaurecht an den Verein übertragen.

Doch für den Start der Umbau- und Wiederherstellungsmaßnahmen des Gebäudes fehlte noch immer die Sicherung der Finanzierung. Seit November 2023 ist diese große Herausforderung nun gelöst. Mit weiteren finanziellen Mitteln aus dem Städtebauförderprogramm „Lebendige Zentren“ und einem freien Fördertopf des Bundes „Bauarbeiten zur Beförderung der christlich-jüdischen Zusammenarbeit und interreligiösen Dialogs“ kann voraussichtlich schon im kommenden Jahr mit der Fertigstellung der Planungen und den Umbauarbeiten begonnen werden.

„Das ist ein großartiger Erfolg für das Projekt und die Stadt. Die Chance, hier in Schlüchtern an einem geschichtsträchtigen Ort Raum für Demokratie, Begegnung und Lernen zu schaffen, ist heute unglaublich wichtig“, ergänzt Vera Neisen, Projektleiterin Integrierte Stadtentwicklung | ProjektStadt. „Das Projekt ist auch aus städtebaulicher Sicht für Hessen einzigartig. Immerhin sind in Deutschland nur noch wenige Synagogen im neuromanischen Stil baulich so gut erhalten wie die in Schlüchtern.“

Ein Konzept zur Unterstützung der lebendigen Innenstadt

Aber auch die Synagoge in Schlüchtern hat ihre ganz eigene, teils widersprüchliche Geschichte erlebt, die man dem Gebäude zwar nicht von außen, aber spätestens beim Betreten des Inneren ansieht. Mit dem Konzept „Besinnen, bewahren, beleben“ soll diese Geschichte räumlich erfahrbar gemacht und die Brüche der verschiedenen Zeitschichte aufgezeigt werden: die Erbauung der Synagoge 1898 und die verschiedenen Nutzungen als Textilfabrik, als Kino und als Treffpunkt unterschiedlichster Aktivitäten.

Zur Denkmalschutzstrategie gehört darüber hinaus eine umfassende Bestandsaufnahme und die teilweise Freilegung historischer Wandmalereien. Andere historische Elemente wie Alon Hakodesh und Bima sind unwiederbringlich verloren und werden daher mit zeitgenössischen Mitteln (Bildelemente und interaktive Darstellungen) visuell und diskursiv vermittelt.

Für das Gebäudes ist ein zentrales, modulares und flexibles Raumsystem vorgesehen, das verschiedene Nutzungen ermöglicht: temporäre Ausstellungen, Vorträge, Symposien, Workshops und Filmvorführungen. Dieser wandelbare Raum ist das Zentrum des Projekts: ein lebendiger, sich ständig verändernder und belebter Ort.

Nicht zuletzt könnte die Synagoge Schlüchtern so auch zu einem zusätzlichen Frequenzbringer für die Schlüchterner Innenstadt werden, wo man längst verstanden hat, dass lebendige Zentren weit mehr sind als reine Orte des Konsums. Ob der neue Stadtplatz, das sich in Fertigstellung befindende Kultur- und Begegnungszentrum, die neue Mitte am ehemaligen Langer-Areal oder grüne Oasen wie der kürzlich sanierte Schlösschengarten – Innenstadt braucht vor allem eins: Begegnung.