Bahnhofsumfeld Neudietendorf bei Bundeswettbewerb ausgezeichnet
Projekt der Gemeinde Nesse-Apfelstädt zeigt, wie eine Kommune gemeinsam mit der ProjektStadt Schritt für Schritt eine leistungsfähige Mobilitätsdrehscheibe entwickelt
Bonn / Weimar – Das Projekt „Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes Neudietendorf“ ist im bundesweiten Wettbewerb „Anschlüsse gestalten. Mobil in ländlichen Räumen“ ausgezeichnet worden. Die Gemeinde Nesse-Apfelstädt erhielt bei der Preisverleihung in Bonn eine Urkunde und ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro. Das Vorhaben gehört zu den 20 Gewinnerprojekten des Wettbewerbs, den das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Rahmen des Bundesprogramms „Region gestalten“ durchgeführt haben.
Neudietendorf liegt zentral innerhalb der 2009 neu gebildeten Landgemeinde Nesse-Apfelstädt. Als Bahnhof an der ICE-Fernverkehrsstrecke zwischen Berlin und Frankfurt besitzt der Standort eine wichtige regionale Funktion. Vor Beginn der Entwicklung war das Bahnhofsumfeld jedoch durch bauliche, funktionale und verkehrliche Mängel geprägt. Die Gemeinde erwarb Flächen und das Bahnhofsempfangsgebäude von der Deutschen Bahn und entwickelte das Areal anschließend schrittweise weiter.
ProjektStadt Thüringen begleitet den Prozess seit vielen Jahren
Die ProjektStadt Thüringen begleitete und steuerte diesen Prozess über viele Jahre. 2010 erstellte sie zunächst eine Studie zur Problemlage und zu möglichen Nutzungsszenarien für den Bahnhof und sein Umfeld. Zwischen 2011 und 2014 unterstützte sie die Gemeinde beim Grunderwerb, bei Abbrüchen und Leitungsverlegungen sowie bei den weiteren Planungsschritten. Darüber hinaus übernahm die ProjektStadt die Objektplanung für die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes, die Projektsteuerung des Gesamtvorhabens sowie die Koordination der beteiligten Objekt- und Fachplaner und Gutachter.
Damit wurden wesentliche Aufgaben in einer Hand gebündelt, die Gemeinde wurde bei diesem komplexen Gesamtvorhaben eng begleitet – von der Entwicklung der Projektidee über die Finanzierung und Fördermittelkoordination bis zur Umsetzung. Zu den Herausforderungen gehörten unter anderem die Abstimmungen mit der Deutschen Bahn und ihren Tochtergesellschaften, anspruchsvolle technische und rechtliche Anforderungen sowie die Kombination von Fördermitteln und kommunalen Eigenanteilen. Kostensparendes Planen, eine enge Zusammenarbeit und eine gebündelte Steuerung waren wichtige Voraussetzungen für die Realisierung.
Vom Bahnhof zum Mobilitätsknoten
Das Vorhaben umfasste unter anderem die Sanierung des Empfangsgebäudes, Aufenthaltsmöglichkeiten, öffentlich zugängliche Toiletten, Gewerbeeinheiten und Fahrradabstellmöglichkeiten. In zwei Bauabschnitten entstanden mehr als 160 Pkw-Stellplätze mit Park-and-Ride- und Kiss-and-Ride-Angeboten. Ergänzt wurden die Anlagen durch barrierearme Wege, die Umgestaltung von Zufahrten und Bahnhofsvorplatz, die Sanierung der Bahnhofstraße mit Städtebaufördermitteln sowie die Neugestaltung des angrenzenden Bahnhofsparks. Drei Bushaltestellen und eine Buswendeschleife verbessern die Verknüpfung von Bahn und Regionalbusverkehr. Damit werden Bahn, Bus, Fahrrad-, Pkw- und Fußverkehr an einem Standort zusammengeführt. Aktuell ergänzt die Gemeinde das Mobilitätsangebot durch ein Carsharing-Angebot.
Verbessertes Mobilitätsangebot wird gut angenommen
„Das erste große gemeinsame Projekt der Landgemeinde Nesse-Apfelstädt wurde schon vor 15 Jahren mit Mut und aus heutiger Sicht auch Weitsicht auf den Weg gebracht und hat sich als gute Investition für die Region und die Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum herausgestellt”, betonte Bürgermeister Christian Jacob. „Die täglichen Nutzerzahlen und die Auslastung der Parkmöglichkeiten zeigen, dass ein guter Zugang zum Nahverkehr gerade in ländlichen Regionen wichtig ist.“
Auch die parlamentarische Staatssekretärin Sabine Poschmann hob die Bedeutung solcher Vorhaben hervor: „Wer auf dem Land lebt, darf ohne eigenes Auto nicht abgehängt sein. Gute Mobilität bedeutet Teilhabe – und sie macht Gemeinden zu attraktiveren Orten zum Leben und Arbeiten. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, was vor Ort möglich ist, wenn Kommunen und Verkehrsunternehmen gemeinsam anpacken. Davon brauchen wir mehr.“
Martin Günther, Fachbereichsleiter der ProjektStadt, war bei der Preisverleihung in Bonn vor Ort. „Die Auszeichnung zeigt, welche Wirkung eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Kommune und ProjektStadt entfalten kann. Das Vorhaben war fachlich und organisatorisch komplex. Umso wichtiger war es, die unterschiedlichen Aufgaben zu bündeln und Schritt für Schritt umzusetzen. Viele einzelne, gut geplante Maßnahmen haben gemeinsam zu einer deutlichen Verbesserung des Bahnhofsumfeldes und der Mobilität in der Gemeinde geführt.“