Ladeinfrastruktur ganzheitlich denken: Die Energiewende entscheidet sich auch im Mehrfamilienhaus
Bei der fünften Ladeinfrastruktur-Konferenz des Bundesministeriums für Verkehr in Berlin diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Automobil-, Energie- und Wohnungswirtschaft, Logistik sowie Wissenschaft über die nächsten Schritte für eine alltagstaugliche Elektromobilität. Mit dabei: Sebastian Jung, Fachbereichsleiter digitale Transformation und Innovation bei der NHW.
Berlin - Im Mittelpunkt der Konferenz standen der weitere Ausbau der Ladeinfrastruktur, Nutzerfreundlichkeit und Verlässlichkeit, intelligentes Laden sowie die Elektrifizierung des schweren Straßengüterverkehrs. Es wurde deutlich, dass Deutschland mit inzwischen 3,5 Millionen elektrisch angetriebenen Pkw und mehr als 200.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten über eine wichtige Grundlage verfügt. Zugleich verschiebt sich der Fokus: Neben der Zahl der Ladepunkte gewinnen Qualität, Leistungsfähigkeit und die Einbindung in bestehende Energie- und Gebäudesysteme an Bedeutung. Nach der Eröffnung durch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger befasste sich die erste Session mit der Frage, wie Elektromobilität in die Breite getragen werden kann.
Mit intelligentem Laden Kosten senken und das Stromnetz entlasten
Wie sich Ladeinfrastruktur noch besser in den Alltag und das Energiesystem integrieren lässt, stand anschließend im Fokus. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wohnungswirtschaft und Energiewirtschaft diskutierten, wie intelligentes Laden Kosten senken, das Stromnetz entlasten und neue Potenziale für Nutzerinnen und Nutzer erschließen kann. Verschiedene Technologie-Pitches zeigten zudem innovative Ansätze für Ladeinfrastruktur, unter anderem für Standorte mit Netzengpässen, den Einsatz künstlicher Intelligenz und automatisiertes Megawattladen. An der Paneldiskussion dieser zweiten Session nahm auch Sebastian Jung teil.
Eine wichtige Erkenntnis für ihn: Deutschland fehlt es nicht an Ladepunkten, sondern an qualitativ hochwertigen Ladepunkten. Für die Nutzerinnen und Nutzer sind nicht allein Verfügbarkeit und Standort entscheidend, sondern auch ein zuverlässiger Betrieb und eine ausreichende Leistungsfähigkeit.
Seine zentrale These: „Die Elektrifizierung von Gebäuden geht weit über Ladeinfrastruktur hinaus. Der fossile Preisschock eskaliert nicht nur an der Tankstelle, sondern auch bei den Heizkosten.“ Damit rücke das Mehrfamilienhaus als integriertes Energiesystem in den Mittelpunkt. „Wärmepumpen, Photovoltaik, Mieterstrom, Speicher und Ladeinfrastruktur müssen gemeinsam betrachtet und geplant werden. Die Wohnungswirtschaft hat sich auf diesen Weg gemacht, steht aber vor erheblichen technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen. Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern können nur dann dauerhaft alltagstauglich und wirtschaftlich betrieben werden, wenn sie in die Energieversorgung des Gebäudes und die verfügbaren Netzkapazitäten eingebettet sind.“
Notwendig: bessere Förderbedingungen, weniger Regeln, schnellerer Zugang
Über die Panels hinweg zeigte sich zudem, dass die Leistungsfähigkeit am Netzanschlusspunkt ein zentraler Engpass bleibt. Sebastian Jung sieht deshalb verlässliche Förderbedingungen, eine Reduktion der regulatorischen Komplexität sowie einen schnellen und bezahlbaren Netzzugang als wesentliche Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der Ladeinfrastruktur. Seine Perspektive macht deutlich: „Die weitere Entwicklung der Ladeinfrastruktur wird nicht allein durch zusätzliche Ladepunkte bestimmt, sondern durch deren Qualität, ihre Einbindung in Gebäude und Energiesysteme sowie durch leistungsfähige Netzzugänge.“