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Kreislaufwirtschaft im Wohnungsbau: Wie aus einem Bestandsgebäude zukunftsfähiger Wohnraum wird

Recycling-Aufstockung in Mörfelden-Walldorf. Foto: NHW
Recycling-Aufstockung in Mörfelden-Walldorf. Foto: NHW

Kreislaufwirtschaft ist im Bauwesen längst mehr als ein Trend – sie ist ein zentraler Hebel, um Ressourcen zu schonen, CO₂-Emissionen zu senken und gleichzeitig dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Ein aktuelles Modernisierungsprojekt in Mörfelden-Walldorf zeigt, wie das in der Praxis gelingen kann.

Im Rahmen einer umfassenden Modernisierung wurden zunächst 12 bestehende Wohnungen energetisch und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Parallel dazu entstand durch eine eingeschossige Holz-Modul-Aufstockung zusätzlicher Wohnraum: Vier neue Wohnungen konnten auf dem bestehenden Mehrfamilienhaus realisiert werden – ohne zusätzliche Flächenversiegelung.

Damit wird ein zentrales Ziel zeitgemäßer Stadtentwicklung erreicht: Nachverdichtung im Bestand statt Neubau „auf der grünen Wiese“.

Bauteile mit zweitem Leben: Recycling direkt auf der Baustelle

Das Besondere an diesem Projekt ist der konsequente Einsatz von wiederverwendeten Baustoffen. Statt Bauteile aus dem Rückbau zu entsorgen, wurden sie vor Ort geprüft, aufbereitet und erneut verbaut. Dazu zählen unter anderem: Glasbrüstungen, Fenster und tragende Balken des ehemaligen Dachstuhls

Durch diese Praxis der Bauteilwiederverwendung konnten rund 9,5 Tonnen CO₂ eingespart und das Abfallaufkommen deutlich reduziert werden. Das Projekt macht damit anschaulich, welches Potenzial im zirkulären Bauen steckt – sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich.

Energetische Zukunftsfähigkeit: Von der Wärmepumpe bis zur PV-Anlage

Neben der Ressourceneffizienz lag der Fokus auf der energetischen Optimierung des Gebäudebestands aus dem Jahr 1965. Das Investitionsvolumen von rund 3 Millionen Euro floss vor allem in die langfristige energetische und klimafreundliche Ausrichtung des Objekts: Eine Wasser-Wärmepumpe nutzt über einen eigenen Brunnen die Energie des Grundwassers zur effizienten Heizwärmebereitstellung. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach produziert grünen Strom direkt vor Ort. Eine neue Fassadendämmung reduziert den Heizenergiebedarf nachhaltig.

Für die Mieterinnen und Mieter bedeutet das: geringere Heizkosten, ein moderner Wohnkomfort und ein Wohngebäude, das spürbar zukunftsfähig aufgestellt ist.

Recycling-Materialien als neuer Standard im Bauwesen?

Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass Recycling-Materialien im Bauwesen technisch und qualitativ konkurrenzfähig sind. Damit solche Lösungen in der Breite ankommen und nicht Ausnahme, sondern Standard werden, braucht es jedoch passende politische und regulatorische Rahmenbedingungen. Nur wenn die Wiederverwendung von Ressourcen rechtlich und organisatorisch erleichtert wird, kann sich die Kreislaufwirtschaft im Bau- und Immobiliensektor flächendeckend etablieren.

Die beiden Modernisierungs- und Aufstockungsprojekte in Kelsterbach und Mörfelden-Walldorf verdeutlichen, wie Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Wohnraumschaffung zusammenwirken können. Durch die intelligente Kombination aus: Nachverdichtung im Bestand, Wiederverwendung von Bauteilen und modernster Energie- und Anlagentechnik

entsteht zukunftsfähiger Wohnraum, der ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Vernunft und sozialer Wohnraumentwicklung verbindet.

Nachhaltigkeit und die Schaffung von Wohnraum sind kein Widerspruch – im Gegenteil: Sie gehen im zirkulären Bauen Hand in Hand.