Altes Gericht Wiesbaden als bundesweites Best-Practice Beispiel
NHW-Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer spricht bei Webinarreihe des Bundesbauministeriums über gelungene Verbindung von Denkmalschutz, Quartiersentwicklung und moderner Nutzung.
„Große Brocken – Große stadtbildprägende Gebäude als Anker und Leuchttürme der Stadt sichern“ – so heißt die Webinarreihe, die das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen vor kurzem gestartet hat. Beim ersten Meeting präsentierte NHW-Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer den rund 200 Teilnehmern das Alte Gericht in Wiesbaden unter der Überschrift „Wohnen, Kreatives und Quartier“ als herausragendes Beispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz, Quartiersentwicklung und moderner Nutzung.
Zielgruppe sind Vertretende von Kommunalverwaltungen, Bundes- und Landes-Ministerien sowie Verbänden und Hochschulen, die sich mit den Herausforderungen und Chancen der Sanierung und Umnutzung großer denkmalgeschützter oder erhaltenswerter Gebäudebestände beschäftigen.
Sanierung im Spannungsfeld von Nutzung und Wirtschaftlichkeit
Die NHW hat das Alte Gericht 2016 erworben und umfassend saniert. Die Herausforderung: Das Gebäude steht innen wie außen unter vollständigem Denkmalschutz. Ziel war es, die historische Substanz und die ursprüngliche Erschließungsstruktur weitgehend zu erhalten und gleichzeitig neue Nutzungen – Wohnen, Hochschule, Kreativräume und Gastronomie – zu integrieren.
Projektökonomie und Lessons Learned
Frau Fontaine-Kretschmer betonte in ihrem Vortrag, dass denkmalgerechte Sanierung mit erheblichen Mehrkosten, längeren Bauzeiten und dauerhaft erhöhten Instandhaltungs- und Betriebskosten verbunden ist. Förderinstrumente wie das KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren“ konnten aufgrund der Denkmalschutzauflagen nicht genutzt werden. Dennoch zeige das Projekt, dass eine nachhaltige Quartiersentwicklung und die Bewahrung stadtbildprägender Gebäude möglich sind – vorausgesetzt, es gibt einen langfristig orientierten Träger, der bereit ist, geringere Renditen zugunsten städtebaulicher Qualität zu akzeptieren.
Das „Alte Gericht“ ist heute nahezu vollvermietet und bietet eine Mischung aus Wohnen, Hochschule, kreativen Nutzungen und öffentlichen Angeboten. Die Umgestaltung der Gerichtsstraße zur Fußgängerzone wurde mit Städtebaufördermitteln unterstützt.
Fontaine-Kretschmers Resümee: „Denkmalschutz funktioniert besonders gut, wenn er nicht isoliert betrachtet wird, sondern als Teil einer integrierten Strategie aus Substanzerhalt, Nutzungsmischung und langfristiger Bestandshaltung.“