843 Kraniche für neue Wege: Beeindruckende Kunstinstallation in Kelsterbacher Herz-Jesu-Kirche
Impulse für die Zukunft sakraler Räume: Feierliche Eröffnung mit Staatsminister Kaweh Mansoori / Kooperation von Stadt, Pfarrgemeinde und ProjektStadt
Kelsterbach – Ein Schwarm aus 843 Origami-Kranichen schwebt durch das Gewölbe der Herz-Jesu-Kirche. Am 12. September wurde die Kunstinstallation im Rahmen des Kelsterbacher Altstadtfests von Kaweh Mansoori, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum und stellvertretender Ministerpräsident, feierlich eröffnet. Auch am Tag des offenen Denkmals öffnete die Kirche ihre Türen und wurde zum Ort für Musik, Kultur und die Frage, welche Zukunft sakrale Räume haben können. Die Installation und die Veranstaltungsreihe „Raum für neue Wege | Kirche weiterdenken“ sind Teil des World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 und werden durch das Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ gefördert. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Entwicklung neuer Perspektiven für Kirchen und ihre künftige Nutzung. Die Konzeption des Projekts stammt von der ProjektStadt, Stadtentwicklungsmarke der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt, die Umsetzung erfolgte in enger Kooperation mit der Pfarrgemeinde Herz Jesu und der Stadt Kelsterbach.
Als Minister Mansoori den Kranichschwarm erstmals vollständig illuminiert, geht ein spürbares Raunen durch den Kirchenraum. In ihrer filigranen Leichtigkeit bilden die 843 Kraniche einen bezaubernden Kontrast zum neobarocken Kirchenbau und entfalten gerade in diesem Zusammenspiel ihren besonderen Reiz. Zugleich verbinden die in Kelsterbach gemeinsam gefalteten Vögel die Botschaft des World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 – Frieden, Freiheit und Demokratie – mit dem Gedanken des Aufbruchs: Kirchengebäude öffnen sich neuen Perspektiven und einer Zukunft, die von Vielfalt und gemeinsamer Gestaltung geprägt ist.
Ein Kunstwerk, das von Teilhabe und Zusammenhalt erzählt
Die Installation ist Ergebnis eines Beteiligungsprozesses, der im Juni 2026 mit der Veranstaltungsreihe „Raum für neue Wege | Kirche weiterdenken“ begann. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Kirchengebäude künftig genutzt werden können, wenn ihre ursprüngliche religiöse Funktion entfällt, ohne ihre besondere Bedeutung für die Stadtgesellschaft einzubüßen.
„Die Herz-Jesu-Kirche ist ein Wahrzeichen Kelsterbachs und Teil der Stadtgeschichte“, sagte Bürgermeister Manfred Ockel. „Auch wenn die katholische Kirchengemeinde künftig nicht mehr Nutzerin des Gebäudes sein wird, müssen wir gemeinsam mit der Stadtgesellschaft über ihre Zukunft nachdenken.“
Pfarrer Stefan Barton zeigte sich von der Wirkung der Installation beeindruckt: „Als die Kraniche zum ersten Mal erleuchtet wurden, war für mich klar: Hier ist etwas Besonderes entstanden.“ Besonders wertvoll sei die breite Beteiligung von Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und Religionsgemeinschaften in Kelsterbach.
Marion Schmitz-Stadtfeld, Leiterin der Integrierten Stadtentwicklung bei der ProjektStadt, betont „Wir freuen uns, dass die Kirchentransformation zunehmend Einzug in die Städtebauförderung nimmt. Sie bietet die Instrumente, aus nicht mehr genutzten Kirchengebäuden offene und barrierefreie Orte für Menschen zu entwickeln. Dabei können diese Orte ihre besondere Qualität als Räume der Gemeinschaft, der Besinnung und der Begegnung bewahren.“
Zwei Tage voller Musik und Kultur
Bei der Eröffnung sorgte der Kinderchor der Bürgermeister-Hardt-Schule für die musikalische Begleitung. Eine Rätselrallye lud Kinder und Familien dazu ein, den Kirchenraum spielerisch zu erkunden. Am Sonntag öffnete die Herz-Jesu-Kirche erneut zum Tag des offenen Denkmals. Erwachsene, Kinder und Jugendliche der Musikschule Kelsterbach gestalteten das Programm, zum Teil am extra dafür in der Kirche aufgestellten Konzertflügel. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher besichtigten die Installation und informierten sich über die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses. „Beim Sommerworkshop im Juni haben wir uns gefragt: Was kann Kirche, wenn sie nicht mehr Kirche im klassischen Sinne ist?“, blickt Alexa von Wedel, Projektleiterin bei der ProjektStadt, zurück. „Jetzt konnten wir erleben, wie aus ersten Überlegungen Realität wird: Die Kirche wurde zum Ort für Konzerte, Ausstellungen, Begegnungen und Gespräche.“
Wie geht es weiter?
Die Kulturreihe in der Herz-Jesu-Kirche wird in den kommenden Monaten fortgesetzt. Der illuminierte Kranichschwarm bleibt im Kirchenraum und begleitet die weiteren Veranstaltungen.
Kommende Termine:
Freitag, 20. November 2026: Konzert der Koreanischen Gemeinde
Sonntag, 29. November 2026: Kirchenkonzert
Weitere Veranstaltungen sind in Planung.